Den Zoustand vun der Natur zu Lëtzebuerg

Die biologische Vielfalt oder Biodiversität umfasst die Vielfalt an Arten und Ökosystemen sowie an genetischen Variationen, ob natürlich oder durch menschliche Aktivitäten im Laufe der Jahrhunderte entstanden.

Das kontinuierliche Wachstum der Weltbevölkerung, der hohe Pro-Kopf Verbrauch an Ressourcen, das Streben nach ökonomischem Wachstum sowie der enthemmte Welthandel üben erheblichen Druck auf unsere natürliche Umwelt und somit auf die biologische Vielfalt aus. Die weltweiten Auswirkungen sind dramatisch: « La nature décline globalement à un rythme sans précédent dans l’histoire humaine – et le taux d’extinction des espèces s’accélère, provoquant dès à présent des effets graves sur les populations humaines du monde entier », so eine der zentralen aufrüttelnden Aussagen des Berichtes der Intergovernemental Sciencepolicy Platform on Biodiversity and Ecosystems Services (IPBES), der am 6. Mai 2019 veröffentlicht wurde und zu dem der Mouvement Ecologique, gemeinsam mit Partnern, eine ausführliche Stellungnahme verfasst hat. Die Menschheit steht vor einem unglaublichen Verlust an Diversität der Lebewesen (1 Million Tier- und Pflanzenarten sind gefährdet) und zerstört die Ökosysteme, auf die sie selbst angewiesen ist!

2/3 der Lebensräume in Luxemburg sind in einem ungünstigen oder schlechten Erhaltungszustand

Alle 6 Jahre erstellt das Umweltministerium im Auftrag der EU, einen Bericht zum Zustand der Lebensräume und Artenvielfalt.

Der Bericht von 2019 zeigt auf, dass sich 2/3 der Lebensräume in einem ungünstigen (18%) bis schlechten (50%) Erhaltungszustand befinden.

Betroffen sind vor allem die Lebensräume der Offenlandschaft (Wiesen, Weiden, Äcker und Feuchtgebiete) sowie die aquatischen Lebensräume (stehende Gewässer wie Teiche und Weiher, Quellen, sowie Bäche und Flüsse), bei welchen der Zustand sich in den letzten 6 Jahren weiter deutlich verschlechtert hat.

Der Zustand der Waldlebensräume scheint auf den ersten Blick noch nicht allzu beunruhigend. Allerdings berücksichtigt dieses Reporting, welches sich mit dem Zeitraum 2013-2018 befasst, jedoch nicht die dramatische Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Bäume aufgrund der extrem warmen und trockenen Sommer 2018 und 2019. Das aktuelle und zukünftige Management steht vor großen Herausforderungen um den Lebensraum Wald auf die Bedrohungen durch die Klimakrise vorzubereiten. Hierzu eine ausführliche Stellungnahme des Mouvement Ecologique: Ein sofortiges Moratorium für den „Waldstrassenbau“ in der aktuellen Form!

80% der geschützten Arten gefährdet!

Bei den einzelnen Arten von europäischer Bedeutung ist die Situation noch alarmierender: 80% dieser geschützten Arten befinden sich in einem ungünstigen bis schlechten Erhaltungszustand.
Mit Blick auf den Zustand der Lebensräume überrascht es nicht, dass vor allem die Arten der Offenlandschaft und der wassergebundenen Lebensräume besonders gefährdet sind. Der Zustand der Brutvögel wird separat evaluiert und ist in dieser Berechnung nicht inbegriffen.

* ohne Brutvögel

1/4 aller Brutvögel ausgestorben oder gefährdet!

Lebewesen die vorwiegend auf Offenland bzw. Feuchtgebiete angewiesen sind, sind z.B. die Brutvögel. Von den 143 Brutvögeln in Luxemburg sind, nach dem Bericht von 2019, 13 Arten bereits ausgestorben und weitere 24 Arten vom Aussterben bedroht oder gefährdet. Dies entspricht rund 1/4 aller Brutvogelarten in Luxemburg.

Anlässlich der Veröffentlichung der Roten Liste der Brutvögel Luxembourgs, die alle 5 Jahre von natur&ëmwelt erstellt wird, vereinten die ABIOL, der Mouvement Ecologique, das `natur musée`, natur&ëmwelt und die SLN ihre Kräfte. Dies unter dem Motto: „Dramatesche Réckgang vu Vullen zu Lëtzebuerg: Elo handelen!“ – „Luxembourgs Arten kämpfen ums Überleben“. Hier finden Sie alle Informationen zur Aktion.

Da Vögel generell gute Indikatoren für den Zustand von Ökosystemen sind kann man davon ausgehen, dass weitere Organismen der Nahrungsketten, wie z.B. Insekten, besonders in diesen Lebensräumen auch entsprechend oder sogar noch stärker gefährdet sind.

Diese Entwicklung wird bestätigt durch Insektenarten, welche in denselben Lebensräumen vorkommen, z.B. die Daten zu den Heuschreckenpopulationen: von den 49 Heuschreckenarten Luxemburgs sind 4 Arten bereits ausgestorben und 14 weitere vom Aussterben bedroht, gefährdet oder sehr selten (= 46,9 %). Drei weitere Arten stehen auf der Vorwarnliste, von 5 Arten fehlen genügend Nachweise um sie zuzuordnen.

Intensive Landwirtschaft, Urbanisierung und Eingriff in natürliche Prozesse üben großen Druck auf Lebensräume und Lebewesen aus

Die Offenlandschaft unterliegt größtenteils dem Druck der Landwirtschaft. Die Intensivierung der Landwirtschaft (hoher Düngereinsatz, Einsatz von Pestiziden, Monokulturen, etc…) über die letzten Jahrzehnte hatte einen großen Einfluss auf die Endwicklung der Offenland-Lebensräume, aber auch der wassergebundenen Lebensräume. Viele Feuchtgebiete wurden durch Entwässerung trockengelegt oder sind einem Eintrag von Dünger aus dem Umfeld ausgesetzt, so dass besonders nährstoffarme Feuchtgebiete, wie z.B. die Pfeifengraswiesen, bis auf kleinste Reste zerstört wurden. Außerdem sind auch Quellen, Bäche und Flüsse den diffusen Einträgen von Dünger und Pestiziden ausgesetzt, was sich natürlich negativ auf die Lebensgemeinschaften auswirkt.

Zudem kann man davon ausgehen, dass die Klimakrise in den nächsten Jahren und Jahrzenten weiteren Druck auf die Lebensräume und Arten haben wird.

Zusätzlich muss immer mehr Natur neuen Siedlungen und dem Straßenbau weichen. Eine Studie der europäischen Umweltagentur aus dem Jahre 2011 identifizierte Luxemburg als das am stärksten fragmentierten Land, unter 29 europäischen Ländern.

Zwar wurde über die letzten Jahre die Fläche der Schutzgebiete (die Gesamtfläche der Schutzgebiete beträgt rund 35% der Landesfläche, wovon 27% (rund 70.171 ha) NATURA-2000 Gebiete sind (aufgeteilt in 60 Gebiete) deutlich ausgebaut, und auch der Vernetzung dieser Gebiete wurde mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Trotzdem können diese Maßnahmen dem Druck, der auf der Natur lastet, nur begrenzt endgegenwirken. Es braucht grundlegende Änderungen in der Politik, um den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen.

Luxemburg in der globalen Welt

In Luxemburg gibt es aufgrund der geografischen Lage und Größe keine endemischen Pflanzen- und Tierarten d.h. Arten die nur in Luxemburg vorkommen. Trotzdem haben wir eine internationale Verantwortung, da einige Arten ihren Verbreitungsschwerpunkt bei uns und in der Großregion haben und die gefährdeten Arten Luxemburgs auch in den Nachbarländern bedroht sind.

In Luxemburg wird zudem allzu gerne auf das Abholzen von Tropenwäldern oder das bevorstehende Aussterben bekannter Tierarten in Afrika und Asien hingewiesen! Dabei muss man wissen: durch die hohen Importe von Soja für unsere Fleischproduktion (12.000 ha Sojaplantagen um den Import der luxemburgischen Milch- und Fleischproduktion zu decken), den Import von Palmöl, die Vernichtung von Ressourcen in Dritt-Weltländern für unseren ungezügelten Konsum… sind wir prägend mitverantwortlich für den Diversitätsverlust in diesen Ländern!

Deshalb auch die Forderung der Autoren der IPBES-Studie, dass unser Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell grundsätzlich reformiert werden müssen, wenn wir die biologische Vielfalt und somit unsere Lebensgrundlage erhalten wollen.

Weitere Anregungen, wie der Biodiversitätsverlustes gebremst werden kann finden Sie hier: