Ein Schottergarten wird zum naturnahen Vorgarten

Wie können Sie Ihren Schottergarten in einen naturnahen Vorgarten umwandeln?

Wir haben das, mithilfe einer Expertin und engagierten Mouvements-Mitgliedern, an einem Beispiel getestet und möchten den Prozess und das Ergebnis mit Ihnen Teilen.

Möchten Sie sich die Reportage von RTL-Tele zu diesem Projekt ansehen? Dann klicken sie hier

Hinweis:
Die (Um)-Gestaltung eines (Vor-)Gartens verläuft in mehreren Schritten. Die Bestandsaufnahme und Planung, Schritt 1 und 2, können im Winter durchgeführt werden, wenn die aktive Gartenzeit ruht. Die Planung erhöht die Vorfreude auf das Endergebnis und auf die aktive Gärtnerzeit.
Dann muss entschieden werden wann die Maßnahmen, Schritte 3-11, durchgeführt werden sollen.

Dabei hilft folgende Liste:

  • Sollen vorhandene Pflanzen wiederverwendet werden? Wenn ja, sollten Schritt 3-11 am besten im zeitigen Frühjahr oder im Herbst durchgeführt werden.
  • Sind Baumaßnahmen, wie Wege und Plätze, auszuführen? Dann werden die Arbeiten besser im Frühjahr oder Sommer ausgeführt, wenn es trocken ist.
  • Welche Pflanzen werden neu gesetzt? Sind es Stauden, dann kann dies im Frühjahr geschehen. Sind es Hecken (z.B. Buchen) eignet sich der Herbst viel besser.
  • Gibt es die gewünschten Pflanzen im Container /Topf? Dann können die Arbeiten von Frühjahr bis Herbst durchgeführt werden. Danach muss dann aber regelmäßig gewässert werden.

 Im Folgenden finden Sie die einzelnen Schritte zur besseren Veranschaulichung illustriert an einem konkreten Schottergarten. Die Aussagen sind übertragbar auf die Gestaltung anderer (Vor-) Gärten.

1. Schritt: Bestandsaufnahme – welche Pflanzen (falls vorhanden) wollen wir im Vorgarten behalten?

Unser Schottergarten hat schon einigen Bewuchs aufzuweisen – vor allem „Unkraut“, wie man auf dem Foto unschwer erkennen kann.

Bei den absichtlich gesetzten Pflanzen sind einige Exoten dabei, wie z.B. Pampasgras, Chinaschilf, Hibiskus, Magnolie und ein rotes Ahornbäumchen. Um den unliebsamen Schottergarten etwas zu verschönern, hatte die Besitzerin im Vorfeld einige Lavendelsträucher gepflanzt.
Wir entscheiden uns, die Magnolie, das Ahornbäumchen und den Hibiskus als spätere Schattenspender stehen zu lassen. Auch die Lavendelsträucher sollen bleiben, werden allerdings umgepflanzt.

Das Chinaschilf und Pampasgras kommen raus. Vielleicht finden wir im Garten noch einen Platz, an dem es besser passt. Ansonsten können die Pflanzen, für die keine Verwendung mehr besteht, auch verschenkt werden.

Die Smaragd-Thuja-Hecke an der Grundstücksgrenze hätten wir nicht gepflanzt – eine einheimische Mischlaubhecke hätte uns hier besser gefallen. Da sie aber schon einmal da steht, noch gut ausschaut, auch dem einen oder anderen Vogel als Nistplatz dient und ihr Entfernen richtig viel Aufwand bedeuten würde, darf auch sie bleiben

2. Schritt: Ausmessen und Pflanzplan anfertigen

Dann heißt es, einen Pflanzplan anzufertigen. Dazu müssen die Maße des Vorgartens genommen werden. Am besten geht dies mit einem Zollstock. Hier immer darauf achten, dass dieser ganz ausgeklappt ist, sonst kommt es ganz schnell zu Fehlern, die die ganze weitere Planung beeinflussen.

Haben wir die Maße, können wir eine Skizze des Vorgartens auf Millimeterpapier im Maßstab 1:100 aufzeichnen. Dies hilf uns, die Abstände zwischen den Pflanzen besser einschätzen zu können und so auszurechnen, wie viel Pflanzen wir brauchen.

Die Pflanzen haben wir nach folgenden Kriterien ausgewählt:

  • Stauden – da diese einfach im Unterhalt sind und jedes Jahr auf Neues blühen.
  • Bienen- und schmetterlingsfreundlich sollen sie sein, da möglichst viele Tierchen in diesem Vorgarten Nahrung und Unterschlupf finden sollen.
  • Unterschiedliche Blütezeiten sollen gewährleisten, so dass Bienen und Schmetterlinge über die ganze Saison Pollen und Nektar finden und die Hausbesitzer von März bis Oktober von Blüten begrüßt werden.

Wer hier noch weitere Inspiration sucht, sollte sich unsere Aktion „A voller Bléi“ anschauen.

Weitere Kriterien, die bei der Pflanzenauswahl zu beachten sind:

  • Wuchshöhe und Breite – größere Stauden sollten eher hinten im Beet stehen, damit sie kleinere nicht vollständig verdecken. Beim Pflanzen sind die Stauden meist noch sehr klein, so dass man sie tendenziell nahe aneinander pflanzen möchte. Über die Jahre breiten sie sich aber immer weiter aus. Es ist demnach wichtig, ihnen bereits beim Pflanzen genügend Platz zuzugestehen. Die einzuhaltenden Abstände zwischen den Stauden variiert je nach Pflanze, sind aber meist auf der Etikette angegeben oder können gegebenenfalls beim Gärtner/Pflanzengeschäft erfragt werden.
  • Sonnenverhältnisse im Vorgarten – es gibt Pflanzen, die sehr viel Sonne brauchen, um gut zu gedeihen, andere fühlen sich im Schatten wohler. Unser Vorgarten ist dem Süden zugewandt, bekommt also tendenziell eher viel Sonne ab. Da die Thuja-Hecke, die Magnolie und die kleine Mauer trotzdem etwas Schatten werfen, haben wir uns entschieden, ein Sonnenbeet (mit sonnenliebenden Stauden) und ein Schattenbeet (mit schattenverträglichen Sorten) anzulegen.
  • Vorhandene / vorherrschende Bodenverhältnisse – Bei der Wahl der Pflanzen ist der Blick auf den zur Verfügung stehenden Boden ganz wichtig. Magere, steinige Böden lassen das (Regen-)Wasser schneller durch, sind trockenere Standorte. Meist haben diese Böden weniger Nährstoffe. Böden mit lehmigen Anteilen halten das Wasser länger fest und können, gerade im Winter, Staunässe verursachen. Für jeden Bodentypen gibt es geeignete Pflanzen. Wer das berücksichtigt, hat weniger Pflege zu leisten, die Pflanzen gedeihen besser und sind nicht so krankheitsanfällig.
  • Besonderheiten des Vorgartens – in unserem Fall gibt es zu dieser Fläche hin ein Kellerfenster. Um die Sicht aus dem Fenster frei zu halten, kämen nur niedrige Stauden vor dem Fenster in Frage. Dies ist bei unserem Beispiel nicht wichtig, wird also hier nicht mit berücksichtigt.

 So sieht unser fertiger Pflanzplan aus:

3. Schritt: Schotter und Unkrautfolie entfernen und beseitigen

Kommen wir nun zum schweißtreibenden Teil der Umwandlung: Bevor gepflanzt werden kann, muss der Schotter und die Unkrautfolie entfernt werden.

Was macht man mit den ganzen Steinen? Wir hatten Glück und haben einige Leute gefunden, die uns einen großen Teil des Schotters, zum Anlegen eines Gartenweges oder als Spritzschutzstreifen entlang der Fassade, abgenommen haben. Findet man keinen Abnehmer, muss der Schotter im Recycling-Center entsorgt werden.

4. Schritt: Pflanzen entfernen

Die Pflanzen, die keine Verwendung im neuangelegten Beet finden oder einen anderen Platz erhalten, müssen mit dem Spaten ausgegraben werden. Dies sollte im zeitigen Frühjahr geschehen, da die Pflanzen zu dieser Zeit noch keine (oder wenige) Blätter gebildet haben, ihr Metabolismus noch langsamer läuft und sie den Umzug (welcher mit einer erheblichen Beschädigung ihrer Wurzen einhergeht) besser überstehen. Ebenso ist zu empfehlen, die Pflanzen zwischen der Ausgrabung und dem Anpflanzen an der neuen Stelle mit den Wurzeln in Wasser oder feuchten Boden zu stellen. So wird verhindert, dass die Wurzeln austrocknen und absterben. Gebrochene bzw. abgerissene Wurzeln müssen mit einer scharfen Schere abgeschnitten werden. Dadurch verheilen sie besser und bilden einfacher neue Wurzeln aus.

5. Schritt: Bodenaktivator austeilen und einarbeiten – Achtung: Diese Maßnahmen ist nicht generell bei der Anlage eines Gartens notwendig!

Da der Boden über Jahre unter der Unkrautfolie und dem Tonnengewicht des Schotters begraben lag, enthält er kaum Lebewesen (Pilze, Bakterien, Würmer, Larven, etc…). Wir verteilen einen Sack Bodenaktivator, um die Wiederherstellung der Bodenfauna anzukurbeln. Der Hauptbestandteil des Bodenaktivators sind Pilze, welche eine Symbiose mit den Pflanzen eingehen und sie bei der Wasser- und Nährstoffaufnahme unterstützen.

6. Schritt: Boden lockern und Blumenerde einarbeiten

Dann muss der Boden mit einer Hacke oder einem Spaten gelockert werden, damit die Wurzeln der Pflanzen sich besser ausbreiten können. Auch sollte etwas Blumenerde in den Boden eingearbeitet werden. Dieser bringt neue Nährstoffe mit und verbessert die Bodenqualität. Hier ist es wichtig drauf zu achten, dass die Blumenerde Torf frei ist. Für die Torfgewinnung werden Moore trockengelegt und abgebaut. Dadurch gehen nicht nur wichtige Lebensräume verloren, die Moore dienen auch als wichtige, effektive CO2 Speicher.

Sind noch größere Wurzeln im Boden vorhanden, sollten diese entfernt werden.

Bei dieser Gelegenheit wird das fertige Niveau zum angrenzenden Weg angeglichen. Durch die Schotterauflage lag das Beet fast 10 cm tiefer. Da hat Erde gefehlt!

7. Schritt: Pflanzen positionieren

Nun können die neuen Pflanzen, nach Plan, auf der Fläche verteilt werden. Es ist sinnvoll die Pflanzen zuerst noch im Topf zu belassen. Hier die bereits vorhandenen Pflanzen nicht vergessen. Auch sollte man beim Verteilen ab und zu zwei, drei Schritte Abstand nehmen, um das Beet aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Erst wenn alle Pflanzen aufgestellt sind und man mit der Verteilung zufrieden ist, wird mit dem Einpflanzen begonnen.

Um einen besseren Bezug zwischen Plan und Fläche herzustellen, kann es helfen, mithilfe von Schnüren ein Raster auf der Fläche anzulegen, welches dann mit dem Raster des Plans abgeglichen wird.

8. Schritt: Pflanzen einsetzen

Wenn alle Pflanzen ihren Platz zugeteilt bekommen haben, kann mit dem Einsetzen der Pflanzen begonnen werden. Dazu mit einer kleinen Handschaufel ein Loch ausheben. Die Tiefe des Loches soll so ausgelegt sein, dass der Wurzelballen der Pflanze auf einer Ebene mit dem Gartenboden ist.

Um die Tiefe zu prüfen, kann man die Pflanze mit Topf in das Loch stellen. Dann knetet man den Blumentopf seitlich und von unten etwas an, damit sich der Boden und die Wurzeln leichter lösen. Man dreht die Pflanze auf den Kopf und lässt sie langsam aus dem Topf gleiten, wobei man sie gleichzeitig mit der anderen Hand auffängt.

Falls vorhanden kann man jetzt noch die „Unkräuter“ am Fuße der Pflanze entfernen. Die Pflanze wird ins vorbereitete Loch gestellt und dieses mit dem ausgeschaufelten Boden aufgefüllt. Der Boden wird seitlich angedrückt. Ein Andrücken von Oben ist zu vermeiden, da dadurch die Wurzeln beschädigt werden können.

Sind alle Pflanzen eingepflanzt, wird der Boden um die Pflanzen noch mithilfe eines Rechens gerade gezogen.

9. Schritt: Stickstoffdünger ausbringen (optional) –

Auch dies ist in einem gesunden Garten nicht nötig, bzw. kann auf selbst angelegte Dünger (wie Brennnesseljauche) zurückgegriffen werden.

Da wir vorhaben, zwischen den Pflanzen zu mulchen, tragen wir jetzt noch etwas Stickstoffdünger aus. Beim Verrotten verbraucht der Mulch Stickstoff. Um zu verhindern, dass er den Pflanzen, welche auch Stickstoff zum Wachsen benötigen, den ganzen Stickstoff, der im Boden enthalten ist, wegnimmt, geben wir etwas extra Stickstoffdünger hinzu.

Der Stickstoffdünger, den wir verwenden, enthält zusätzlich Mineraldünger. Er sollte im Frühjahr eingesetzt werden, um die Pflanzen beim Biomassenaufbau zu unterstützen. Die Mengenangabe ist auf der Verpackung angegebene. Meist reichen 80-100g/m2 völlig aus.

Tipp: mit der Küchenwaage 80-100g Dünger abmessen und in die Hand nehmen. Das vermittelt ein Gespür für das auf den Quadratmeter aus zu bringende Volumen.

Mit der ungefähren Idee von der Menge geht das Ausbringen einfacher.

Der Dünger sollte auf keinen Fall direkt auf die Pflanze gegeben werden. Dies führt zu Verbrennungen des Pflanzengewebes, da die Konzentration dann viel zu hoch ist. Den Dünger also um die Pflanze herum verteilen und leicht (mit der Hand) unter die Erde einmischen. Beim Ausbringen des Stickstoffdüngers sollten auch Handschuhe getragen werden.

10. Schritt: Angießen der Pflanzen

Besonders die umgepflanzten Pflanzen müssen jetzt gut gewässert werden. Da sie einen großen Teil ihres Wurzelnetzes verloren haben und ihre Wasseraufnahme gestört ist, soll das Gießen ihnen helfen, diesen Verlust zum Teil zu kompensieren. Ist man sich nicht sicher, ob genug gegossen wurde, kann man mit einem Handschaufelstich in die Erde prüfen, ob das Wasser eingesickert ist oder sich nur oberflächlich verteilt hat. In dem Fall muss noch einmal nachgegossen werden.

Frisch gepflanzte Stauden sollten, bei Ausbleiben von Regen, die ersten Monate zwei bis dreimal Mal in der Woche gründlich gegossen werden. Die umgepflanzten Stauden sogar jeden Tag.

11. Schritt: Zwischen den Pflanzen mulchen (optional)

Dann tragen wir noch eine bis zu 5 cm dicke Mulch-Schicht zwischen den Pflanzen auf. Dieser soll die Feuchtigkeit in der Erde halten und das schnelle Aufkommen von „Unkräutern“ zwischen den Stauden verhindern. Wir benutzen keinen reinen Rindenmulch, sondern haben uns für einen Mulch aus Gartenfasern entschieden. Dieser besteht aus Holzfasern, Grüngutkompost und Rindenhumus und enthält keine Gerbsäure. Gerbsäure ist in vielen Holzrinden enthalten und trägt zu einer Versauerung des Bodens bei.

Da der Mulch verrottet, sollte man alle 1-2 Jahre die Mulch-Schicht ergänzen. Da es sich hier um Biomasse handelt, können die Stauden sich problemlos unter dem Mulch weiter ausbreiten, so dass der Platz zwischen den Stauden immer geringer wird und das Mulchen nach einigen Jahren nicht mehr nötig ist.

Es ist auch möglich ganz auf das Mulchen zu verzichten. In dem Fall sollte man jedoch ab und zu das „Unkraut“ zwischen den Stauden jäten, da auf dem freien Boden vom Winde angewehte Samen gut keimen können.

Wenn man möchte, kann man dann noch einen schmalen Streifen Schotter an der Hauswand entlang legen, damit, bei Regen, die Erde nicht an die Hauswand spritzt und diese verdreckt.

Und hier der Vorher-Nachher Vergleich: Schotter- vs. Naturnaher Vorgarten

Natürlich braucht es jetzt noch etwas Geduld. Über die nächsten Monate und Jahre werden die Stauden nicht nur an Höhe gewinnen. Sie werden mehr und mehr Raum einnehmen, so dass sich die noch braune Fläche in einigen Jahren in ein grünes Blütenmeer verwandelt haben wird. Wir werden die weitere Entwicklung im Auge behalten und auch Ihnen ab und zu Bericht erstatten.

Wir bedanken uns herzlichst bei der Baumschule Becker, für ihre kompetente und ausführliche Unterstützung, sowie bei unseren fleißigen Helfern. Ein Projekt, wofür man alleine mehrere Tage gebraucht hätte, konnte durch Gruppenarbeit in ein paar Stunden umgesetzt werden.