Am Mittwoch, den 10. Februar um 18.30 Uhr, hatte der Mouvement Ecologique zu einer Online-Konferenz mit dem Buchautor von „Der Kies muss weg!“, Tjards Wendebourg, eingeladen.
Die Konferenz ist Teil der Aktion „Nee zum Schottergaart! Lieweg Vilfalt amplaz gro Wüst!“, welche der Mouvement Ecologique Anfang 2020 gestartet hat und darauf abzielt verantwortliche Akteure sowie Bürger*innen und (Vor-)Gartenbesitzer auf die negativen Auswirkungen von Schottergärten auf das Mikroklima, die Biodiversität, das Regenwassermanagement und die Lebensqualität in unseren Städten und Dörfern sowie auf Alternativen, aufmerksam zu machen.

In seiner Präsentation machte Tjards Wendebourg den Unterschied zwischen einem „richtigen“, naturfreundlichen Garten mit Schotterbelag und einem sogenannten Schottergarten, deutlich. Während richtig angewandter Schotter eine spezielle, magere und sehr artenreiche Vegetation fördern kann, ist das Ziel des sogenannten Schottergartens, welcher meist noch mit einer „Unkrautfolie“ unterlegt ist, jegliches Aufkommen von Vegetation zu unterbinden. Warum diese zweite Variante nicht nur schlecht für die Umwelt ist, sondern auch den Ansprüchen des Besitzers nicht gerecht werden kann, das erkläret Tjards Wendebourg in der Videoaufnahme der Konferenz. Sehen Sie hier die Konferenz in voller Länge oder die Hauptaussagen in den Highlights:

Auf äußerst anschauliche Art und Weise legte der Referent dar, welches die vielfältigen Nachteile von Schottergärten sind: von der Erwärmung der Umgebung, dem „Abriegelungseffekt“ und den negativen sozialen Auswirkungen (der Schottergarten schottet das Haus ab), dem Impakt auf die Sehqualität (Schottergärten blenden) bis auf die bekannten negativen Auswirkungen für die Biodiversität. Auch ging er auf die Gründe, warum diese Wüsten in der Vergangenheit Zuspruch fanden ein, so z.B. dass der Einzelne sich den Auswirkungen nicht mehr bewusst ist, da Wissen über natürliche Zusammenhänge verloren geht; das Denken: „Ich bin ja nur einer unter vielen, mein Verhalten ist nicht so wichtig“.

Besonders einprägsam legte Tjards Wendebourg aber ebenfalls dar, warum Anleger von Schottergärten sich irren, wenn sie glauben, Schottergärten würden ihnen das Leben erleichtern. Es ist wohl eher das Gegenteil: Es wachsen trotzdem „Unkräuter“, Steine „vermoosen“ u.a.m. und Unkräuter in Schottergärten entfernen „macht keinen Spaß“.

Neben der Information und einer Unterstützung der Bürger*innen, der Verantwortung der Gemeinden auf öffentlicher Fläche mit gutem Beispiel voranzugehen, sprechen sich Tjards Wendebourg, sowie der Mouvement Ecologique, eindeutig zusätzlich für eine Reglementierung von Schottergärten aus. Dies vor allem um ein deutliches Zeichen zu setzen, dass diese Art von Flächennutzung von der Gesellschaft nicht gewollt ist: „Letztendlich geht es darum die Hemmschwelle zu heben und den Leuten zu sagen, es ist verboten. Danach setzt der Nachdenkprozess ein.“ so Tjards Wendebourg. Die Präsidentin des Mouvement Ecologique, Blanche Weber ergänzte, dass „es die Rolle der Politik ist, einen Rahmen abzustecken. Dass nicht jeder sich immer wieder die Frage stellen soll, soll ich, soll ich nicht, ist es gut ist es nicht gut…?! Man kann ja auch nicht mehr alle Informationen verarbeiten die man so kriegt. Es soll einfach klar geregelt sein.“ Natürliche ginge es nicht darum bestehende Schottergärten zu protokolieren, sondern die Anlage neuer Schottergärten zu verhindern.

Wären Tjards Wendebourg noch eine Vielzahl von biodiversitätsfreundlichen Alternativen zur Vorgarten- und „Grünstreifen“-Gestaltung vorstellte, ging Blanche Weber noch auf die verschiedenen reglementarischen Möglichkeiten ein, welche luxemburgische Gemeinden jetzt schon besitzen um der weiteren Ausbreitung  von Schottergärten entgegenzuwirken.

In der Diskussion mit den Teilnehmer*innen wurde klar: die Gemeinde muss mit gutem Beispiel vorangehen, mit ihren Bürger*innen kommunizieren (z.B. muss das Anlegen naturnaher Flächen im öffentlichen Raum angekündigt, bzw. auch direkt auf der Fläche erklärt werden) und diese auch soweit wie möglich unterstützen, wobei hier Naturschutzsyndikate und Naturparks eine wichtige Rolle einnehmen können.

Dabei gab es eine äußerst positive Stimmung zu Ende der Veranstaltung: es scheint – dank der Sensibilisierung – dann doch die Chance auf ein Umdenken zu geben, so die Meinung auch des Referenten. Je mehr sich die Menschen über die Auswirkungen der Gärten bewusst werden, desto mehr können Naturgärten begeistern.

An der Konferenz nahmen über 110 Vertreter*innen von Gemeinden, Naturschutzsyndikaten, beratenden Kommissionen, Gartenbaubetrieben und interessierte Bürger*innen teil.

Mehr Informationen zum Thema Schottergärten, zu unserer Aktion „Nee zum Schottergaart! Lieweg Vilfalt amplaz gro Wüst!“ sowie unser Informationsmaterial zum Thema finden Sie hier