Episode 8: Mauersegler

Download(s)

Wer kreischt hoch oben im Sommerhimmel über der Stadt?

 

Mit der neuen Kampagne „En Ouer fir d’Natur“ möchte der Mouvement Ecologique die Aufmerksamkeit auf  vielfach bedrohte Tierarten und ihre Lebensräume lenken – und dies mit einem Rate-Quiz des jeweiligen Tiergeräusches verbinden.

Insgesamt werden ab Ende April bis Oktober pro Monat jeweils 2 Kurzvideos zu einer Tierart unserer Ortschaften und Landschaften veröffentlicht.

Raten Sie mit – Welches Tier macht wohl dieses Geräusch?… und gewinnen Sie pro Spot einen einen Naturata-Einkaufsgutschein im Wert von 50€!

 

 

 

 

 

 

 

 

© Billy Lindblom, CC BY 2.0

Haben Sie den Mauersegler im Clip erkannt?

„Sriiih-sriiih”… Dieser schrille Ruf gehört zum Mauersegler – und ruft unweigerlich Sommergefühle hervor. Viele verbinden mit diesen Rufen laue Sommerabende auf einer Terrasse im Dorf oder in der Stadt, von wo aus man die akrobatisch um einen Kirchturm ziehenden Scharen aus Mauerseglern gut beobachten kann – eine akustisch untermalte Flugshow quasi. Mauersegler sind Zugvögel und nur sehr kurz hierzulande zu Besuch – von Anfang Mai bis Anfang August.

Der Mauersegler wird auf Luxemburgisch „Leeëndecker“ genannt. Diese Bezeichnung verdankt er seinem typischen Brutverhalten: Er sucht sich Spalten unter Dachvorsprüngen oder zwischen Mauerwerk und Dachziegeln als Brutplatz aus – oft hoch oben an Gebäuden.

Aber Achtung: Viele verwechseln ihn mit einer Schwalbe. Doch obwohl seine Silhouette ähnlich ist – beide Körper haben sich im Laufe der Evolution optimal auf die Insektenjagd im Flug angepasst – gehören die beiden zu völlig verschiedenen Vogelgruppen. Mauersegler haben längere Flügel und eine „sichelförmige“ Silhouette.

 

Lebensweise

Der „Leeëndecker“ sucht sich Spalten unter Dachvorsprüngen oder zwischen Mauerwerk und Dachziegeln als Brutplatz aus – oft hoch oben an Gebäuden. Sein „Nest“ ist meist nur ein loses Häufchen aus Federn und Pflanzenteilen, das er während des Flugs in der Luft einsammelt.

Ein sehr bemerkenswerter Fakt über den Mauersegler ist, dass er nahezu sein ganzes Leben in der Luft verbringt – quasi ein Flugwunder! Nur zum Brüten setzt er sich, ansonsten ist er in der Luft unterwegs. Seine Beine sind so kurz, dass er nicht am Boden gehen kann, aber sie reichen aus, um sich an senkrechten Mauern oder Felsen festzukrallen.

Er schläft sogar im Flug –  in Höhen von 1.500 bis 2.500 Metern! Wenn er Jungvögel zu versorgen hat, verbringt er täglich bis zu 18 Stunden auf Insektenjagd. Dabei legt er enorme Strecken zurück: teils über 900 km am Tag, um Nahrung wie Mücken, Fliegen und Blattläuse zu sammeln. Ein „Maufel“ kann aus 300 bis 1.500 Insekten bestehen – 1 bis 2 Gramm geballte Proteinladung für die hungrigen Jungen.

Falls das Wetter mal schlecht ist oder es kälter wird, verfallen die Jungvögel in eine Art energiesparenden Zustand, den Hungerschlaf oder die Kältestarre. So können sie mehrere Tage ohne Futter überleben, bis die Eltern – oft weit entfernt – mit frischer Beute zurückkehren. In Frankreich nennt man den Mauersegler auch „Hirondelle de pluie“ (Regenschwalbe), weil große Trupps bei Wetterumschwüngen im Tiefflug Insekten jagen – ein Zeichen für nahenden Regen.

Nach rund drei Monaten – etwa Anfang August – sind die Jungvögel flugbereit und folgen ihren Eltern in den Süden. Die Reise führt sie bis nach Südafrika, wo sie den Winter verbringen.

 

Gefahren für den Mauersegler

Der Mauersegler wird in unseren Siedlungen immer seltener –der Hauptgrund ist die Wohnungsnot. Moderne Gebäude bieten keine Spalten oder Hohlräume mehr, in denen er seine Eier ablegen könnte. Alte Mauerritzen, früher ideale Brutnischen, sind heute meist verputzt oder versiegelt. Selbst kleinste Spalten unter der Dachtraufe werden bei Sanierungen verschlossen.

Hinzu kommt: Eine Sanierung während der Brutzeit kann ganze Kolonien auslöschen. Auch das Insektensterben wirkt sich indirekt aus – weniger Nahrung bedeutet geringere Überlebenschancen für die Jungen. Durch Wetterextreme wie lange Regenperioden kommt es immer häufiger zu Brutverlusten.

 

Verbreitung in Luxemburg

Der Mauersegler ist in vielen luxemburgischen Städten und Dörfern anzutreffen – allerdings nur dort, wo es noch geeignete Brutplätze gibt. Besonders aktiv ist er in älteren Gebäudestrukturen mit traditionellen Dachformen. Luxemburg liegt am nördlichen Rand seines mitteleuropäischen Brutareals.

Der Mauersegler ist in Luxemburg auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten, da seine Bestände stark zurückgehen. Er wird in der Kategorie „Vorwarnliste“ (Near Threatened) geführt.

 

© XJochemx.nl, CC BY-SA 4.0

 

Wie kann ich dem Mauersegler helfen?

  • Nistplätze schaffen im Bestand und Neubau:
    Bringen Sie spezielle Mauersegler-Nistkästen an – mindestens 5 m hoch, regengeschützt und mit freiem Anflug. Für Neubauten gibt es auch Fassadensteine mit integrierten Brutkammern zum Einbauen.
  • Nistplätze erhalten:
    Planen Sie Sanierungen außerhalb der Brutzeit (Ende April bis Anfang August). Lassen Sie vorhandene Brutspalten möglichst offen (Gerüste und Staubnetze dementsprechend anbringen) oder ersetzen sie sie durch Ersatzquartiere.
  • Insektenvielfalt fördern:
    Gestalten Sie ihren Garten naturnah – mit einheimischen Wildblumen und Sträuchern, ohne Pestizide – und unterstützen Sie biologische Landwirtschaft durch Ihren Konsum.
  • Melden und Mitmachen:
    Teilen Sie Ihre Beobachtungen mit lokalen Artenschutzinitiativen wie SICONA oder Natur&Ëmwelt. Gehen Sie auf Ihre Gemeinde zu, damit diese Nistkästen für Gebäudebrüter an ihren Gebäuden anbringt.

 

Für weitere Infos zum Mauersegler und Schutzmaßnahmen sowie Beratung schauen Sie hier:

SICONA Luxemburg: Mauersegler-Projekt, https://sicona.lu/mauersegler-2/ (auf Deutsch)

Natur&Ëmwelt: Urban birds Projekt, https://www.naturemweltasbl.lu/urban-birds/ (auf Französisch)

LBV München, Ausführliche Infos zu Artenschutz an Gebäuden, https://www.lbv-muenchen.de/unsere-themen/artenschutz-an-gebaeuden/schutzmassnahmen/ (auf Deutsch)