Episode 10: Haussperling, Hausspatz
Wessen munteres Tschilpen ertönt da vom Dach…?
Mit der neuen Kampagne „En Ouer fir d’Natur“ möchte der Mouvement Ecologique die Aufmerksamkeit auf vielfach bedrohte Tierarten und ihre Lebensräume lenken – und dies mit einem Rate-Quiz des jeweiligen Tiergeräusches verbinden.
Insgesamt werden ab Ende April bis Oktober pro Monat jeweils 2 Kurzvideos zu einer Tierart unserer Ortschaften und Landschaften veröffentlicht.
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Haben Sie den Haussperling im Clip erkannt?
Das typische „Tschilpen“ des Haussperlings verrät ihn oft schon von weitem – nicht selten hören wir dabei nicht nur einen einzelnen Vogel, sondern eine ganze „Bande“. Haussperlinge, auch Spatzen genannt oder „Karmësch“ auf Luxemburgisch, sind gesellige Vögel und leben in Trupps von mehreren Dutzend Tieren.
Bei dem lautstarken Tschilpen und Zetern könnte man oft mal meinen, dass die Vögel miteinander streiten. Doch diese Kommunikation in der Gruppe hilft einerseits bei der Futtersuche – wenn ein Spatz am Boden eine gute Futterstelle entdeckt, sind im Nu alle dabei, um sich den Bauch zu füllen. Andererseits warnen sie sich so vor nahenden Gefahren oder Angriffen, wie z.B. durch Sperber
Lebensweise
Der Haussperling ist ein klassischer Kulturfolger – er profitiert seit Jahrtausenden vom Getreideanbau des Menschen. Dies ist auch im Luxemburgischen Namen „Karmësch“ (Kar = Getreide) wiederzufinden. In Scheunen und Ställen war das ganze Jahr über ausreichend Futter für den Spatz vorhanden und in der Nähe menschlicher Behausungen fand er geschützte Nischen für Nester. Auch heute noch baut der Spatz in Bauten, wo Menschen sind, oft eine kleine, zusammengewürfelte Nestmulde – meist unter Dachvorsprüngen, in Mauerspalten oder unter losen Ziegeln.
Der Spruch „frech wie ein Spatz“ passt, denn die anpassungsfähige Art lässt sich nicht leicht vertreiben und fühlt sich in der Nähe von Menschen einfach wohl. Der Spruch „D’Spatze päifen et vum Daach“ („dies ist doch allgemein bekannt“) dürfte so manch einem geläufig sein und zeigt wie allgegenwärtig Spatzen in unseren Ortschaften waren. Haussperling ist eine der am weitesten verbreiteten Vogelarten auf der Welt und kommt bei uns ganzjährig vor.
Aufgepasst: Neben dem Haussperling, gibt es auch den Feldsperling. Feldsperlinge unterscheiden sich von Haussperlingen durch den fehlenden Unterschied im Federkleid von Männchen und Weibchen (beim Haussperling sehen beide Geschlechter unterschiedlich aus). Feldsperlinge sehen auf den ersten Blick männlichen Haussperlingen etwas ähnlich, sind jedoch kleiner und haben anstatt einem grauen Kopf, einen eher schokoladenbraunen Kopf sowie einen markanten schwarzen Wangenfleck. Sie leben eher in der offenen Landschaft oder am Dorfrand, und sind nicht so stark an urbane Gebiete gebunden wie der Haussperling. Doch ganz kann man die Lebensräume von beiden nicht auf Stadt oder Land aufteilen.
Verbreitung in Luxemburg
In Luxemburg war der Spatz lange allgegenwärtig – er ist seit jeher eng mit menschlichen Siedlungen verbunden. Doch seine Bestände sind rückläufig – fast nicht zu glauben, bei so einer allgegenwärtigen und bekannten Vogelart. Der Bestand in Luxemburg wird aktuell auf 30.000-35.000 Brutpaare geschätzt und ist in den letzten Jahrzehnten um 66 % gesunken (Daten natur&ëmwelt 2024). Er steht auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten in Luxemburg.
Gefahren für den Haussperling
Der Grund für den Rückgang der Bestände des Haussperlings ist vor allem die moderne Bauweise – er findet kaum noch Nistmöglichkeiten, denn Isolierungen und Sanierungen entfernen Nischen und Mauerspalten.
Weiterhin findet er aber auch nicht mehr genügend Nahrung, da viel Fläche versiegelt sind und somit innerörtliche Grünflächen fehlen. Vorhandene Grünflächen wiederum bieten meist nicht genügend Nahrung in Form von Sämereien oder Insekten, da nicht genügend verschiedene Pflanzen vorhanden sind und die Flächen zu oft gemäht werden.
Doch dieses Muster findet sich auch in der offenen Landschaft, wo der allgemeine Rückgang an Pflanzen und Insekten auf die modernen intensiven landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsmethoden und dem Einsatz von Pestiziden zurückzuführen ist.
Wie können Sie dem Haussperling helfen?
- Bieten Sie Nisthilfen an:
Haussperlinge nehmen gerne Nistkästen an. Diese können beim Neubau in Gebäude integriert werden oder können an bestehenden Gebäuden ab einer Höhe von vier Metern ans Haus gehängt werden, am besten geschützt unter einem Fassadenvorsprung oder Dachüberstand. Weil die Spatzen gerne gesellig leben, können Sie mit dieser Anleitung vom NABU auch selbst ein Mehrgenerationenhaus basteln.
- Erhalten Sie bei Sanierungsarbeiten am Haus seine Quartiere:
Sanierungsarbeiten sollten außerhalb der Brutzeit von Oktober-Februar durchgeführt werden. Es gibt Möglichkeiten Nistplätze im Dachfuß und im Traufkasten für Haussperlinge bereitzustellen, ohne dass energetische Sanierungsmaßnahmen darunter leiden würden. Wichtig ist auch schon vor Beginn der Arbeiten Ersatzbrutplätze anzubieten, indem Nistkästen an Nachbargebäuden angebracht werden. - Gestalten Sie ihren Garten naturnah:
Gärten mit wilden, nicht so oft gemähten Ecken und einheimischen Heckensträuchern sind ideal. Solche Orte bieten Schutz, Rückzugsräume und vielfältiges Nahrungsangebot in einer ansonsten zu „ordentlichen“, leergeräumten Umgebung. Wichtig ist auch eine kleine Wasserstelle zum Baden, wie auch eine Sandkuhle zum staubbaden. Denn genau so wie z.B. Hühner, mögen Spatzen es sich im Sand zu baden – dies hilft gegen Schädlinge im Gefieder.
Quellen
- Die Spatzenfibel – eine umfangreiche Broschüre über die Lebensweise und Schutzmaßnahmen zum sympatischen „Mitbewohner“ Spatz. Vom LBV (auf Deutsch): https://botschafter-spatz.de/files/user_upload/Bilder/Arten/Tiere/Vogel%20von%20A-Z/Gebaeudebrueter/Spatzenfibel/1209_LBV_Spatzenfibel_2020_web.pdf
- Der Hausperling: ein Singvogel im „Sinkflug“. Naturschutzsyndikat SICONA (auf Deutsch): https://sicona.lu/der-haussperling/
- Moineau domestique. Natagora (en français) : https://oiseaux.natagora.be/fr/oiseau/moineau-domestique





