Episode 11: Rotmilan

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Wessen Trillern ertönt da aus den Wolken…?

 

Mit der neuen Kampagne „En Ouer fir d’Natur“ möchte der Mouvement Ecologique die Aufmerksamkeit auf  vielfach bedrohte Tierarten und ihre Lebensräume lenken – und dies mit einem Rate-Quiz des jeweiligen Tiergeräusches verbinden.

Insgesamt werden ab Ende April bis Oktober pro Monat jeweils 2 Kurzvideos zu einer Tierart unserer Ortschaften und Landschaften veröffentlicht.

Raten Sie mit – Welches Tier macht wohl dieses Geräusch?… und gewinnen Sie pro Spot einen einen Naturata-Einkaufsgutschein im Wert von 50€!

 

 

 

 

 

 

 

 

(c) Tobias Wagner

Haben Sie den Rotmilan im Clip erkannt?

Der Rotmilan ist einer der farbenprächtigsten Greifvögel Europas und der größte Greifvogel Luxemburgs. Schon von weitem erkennt man ihn an seinem rostroten, tief gegabelten Schwanz, den er wie ein Steuerruder bei seinen eleganten Flugmanövern einsetzt. Nicht umsonst heißt er auf Luxemburgisch „Roude Schéierschwanz“. Sein Ruf, ein helles, trillerndes „Wiiiu-wiiiu“, klingt fast wie ein Singvogel, passt aber perfekt zu seinem anmutigen Flug.

Im Herbst ziehen die meisten luxemburgischen Rotmilane in Richtung Südeuropa oder Nordafrika. Dabei können sich Gruppen von 10–20 und mehr Rotmilanen zusammenschließen, die an sonnigen Tagen beim Kreisen in den Thermiken (aufsteigende warme Luft) zu beobachten sind. Auf diese Art gewinnen sie rasch an Höhe und können mühelos grössere Flugstreckenzurücklegen.

 

 

Lebensweise

(C) Marko Koenig

Rotmilane bauen ihre großen Horste (Nester) im Wald, meist auf hohen Bäumen am Rand lichter Wälder oder in kleineren Feldgehölzen. Ihre Nahrung suchen sie jedoch überwiegend in der offenen Landschaft: auf Wiesen, Äckern und an Feldrändern. Sie jagen kleine Säuger wie Mäuse, aber auch Insekten und Vögel. Häufig fressen sie Aas und übernehmen damit in Mitteleuropa eine Rolle, die in südlicheren Regionen Geier spielen.

Oft kann man Rotmilane Traktoren bei der Mahd folgen sehen, da sie gelernt haben, dass dabei viele Tiere getötet/verletzt werden und somit leichte Beute sind. Der Rotmilan ist also in gewisser Weise ein Opportunist: Das hilft ihm, in vielen Bereichen zu überleben, wo spezialisierte Greifvögel schon zurückgegangen sind. Durch das Fressen von Aas profitiert er von intensiver Nutzung landwirtschaftlicher Flächen, zum Beispiel vom häufigen Schnitt auf Silageflächen.

Dennoch hat dieser Opportunismus Grenzen: Wenn die Landschaft völlig monoton wird (z. B. durch großflächige Monokulturen, „Vermaisung“, fehlende Strukturelemente wie Brachestreifen, nicht gemähte Feldraine oder Hecken, … ) wird demnach die Verfügbarkeit von Beutetieren geringer. Dementsprechend wird die Versorgung mit Nahrung schwieriger und vor  allem Brut- und Aufzuchterfolg leiden stark darunter.

 

Gefahren für den Rotmilan

Der Lebensraum des Rotmilans wird immer stärker durch große landwirtschaftliche Flächen und Bebauung zerschnitten. Felder und Wiesen, ehedem noch eher kleinflächig werden zu immer grösseren Monokulturen, die wenig Nahrung bieten. Oft sind sie so stark gedüngt oder dicht eingesät, dass der Rotmilan nicht an seine Beute am Boden kommt. Wo früher Hecken, Feldraine oder kleine Waldstücke Abwechslung boten, herrscht heute eine offene Agrarlandschaft mit deutlich weniger Jagdmöglichkeiten.

Auch der Einsatz von Giften on Giften ist problematisch : Werden Mäuse mit Rodentiziden bekämpft werden, findet der Rotmilan manchmal noch Kadaver, vergiftet sich aber selbst daran. Immer wieder gibt es auch Fälle illegaler Vergiftung oder Abschüsse in Luxemburg.

Bei den alljährliche Wanderungen der Rotmilane in seine Wintergebiete sind hier diese Gefahren ein sehr ernstes Problem.

Ein weiteres Problem ist wenn Abfall unsachgemäß in der Natur entsorgt wird – denn der Rotmilan „dekoriert“ seine Horste gern mit besonderen Materialien und da greift er auch zu Plastikmüll. Das kann sich negativ auf die Überlebenschancen der Küken auswirken, weil sie sich im Müll verheddern oder sich Feuchtigkeit zu sehr im Nest anstaut.

Letztlich können auch Windenergieanlagen für den Rotmilan problematisch sein. Auf der Suche nach Nahrung können Greifvögel mit Rotorblättern kollidieren. Daher ist es essenziell, schon bei der Planung potenzieller Anlagen Revierstandorte und Brutplätze des Rotmilans zu identifizieren. Während sensibler Phasen – etwa der Brutzeit, bei Ernte- und Mahdarbeiten – sollten Windräder entweder abgeschaltet werden oder intelligente Systeme zur Kollisionsvermeidung installiert werden, welche die Anlage automatisch stilllegen, sobald ein gefährdeter Vogel erkannt wird.

 

Verbreitung in Luxemburg

Der Rotmilan kommt nur in Westeuropa vor. Damit liegt Luxemburg mitten im Kerngebiet seines Vorkommens und hat deshalb eine besondere Verantwortung für das Überleben dieser Art. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass es in Luxemburg etwa 63–66 Brutpaare gibt. Besonders häufig findet man sie in den Offenlandregionen des Gutlands sowie auf den Hochplateaus des Öslings und im Osten des Landes. Doch seine Bestände haben in letzter Zeit abgenommen und er wird daher in der Roten Liste Luxemburgs als gefährdet eingestuft.

 

Wie können Sie dem Rotmilan helfen?

  1. Lebensraum des Rotmilans schützen
    Unterstützen Sie Naturschutzorganisationen, die abwechslungsreiche, kleinteilige Landschaften pflegen oder sich dafür einsetzen – so entstehen Lebensräume für den Rotmilan und auch seine Beute. Gehen Sie aktiv auf Ihre Gemeinde zu, damit auf deren Flächen entsprechende Projekte umgesetzt werden.
  2. Durch bewussten Konsum Landschaft und Natur schützen
    Kaufen Sie Produkte von Landwirt:innen, die ein vielfältiges Landschaftsbild mit Streuobstwiesen, spät gemähten Heuwiesen und Hecken fördern, wie z. B im Projekt „Natur genéissen“ https://naturgeneissen.lu/
  3. Horstbäume sichern und Rücksicht bei Waldarbeiten nehmen
    Falls Sie selbst Wald besitzen, schützen Sie die Bäume auf denen ein Horst gebaut wurde. Diese dürfen nicht gefällt werden und im Allgemeinen sollten Störungen durch Arbeiten während der Brutzeit des Rotmilans (Februar–Juli) vermieden werden.
  4. Gefahren reduzieren: auf Gift verzichten und Abfall im Müll entsorgen
    Verzichten Sie auf den Einsatz von Pestizide und insbesonders auf Gift gegen Mäuse, da sie über die Nahrungskette auch den Rotmilan schädigen können. Und der letzte, vermeintlich selbstverständliche Punkt: Abfall soll immer im Müll entsorgt werden – niemals in der Natur!

 

Weitere Infos zum Rotmilan finden Sie hier: