Episode 7: Wimperfliedermaus

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Mit der neuen Kampagne „En Ouer fir d’Natur“ möchte der Mouvement Ecologique die Aufmerksamkeit auf  vielfach bedrohte Tierarten und ihre Lebensräume lenken – und dies mit einem Rate-Quiz des jeweiligen Tiergeräusches verbinden.

Insgesamt werden ab Ende April bis Oktober pro Monat jeweils 2 Kurzvideos zu einer Tierart unserer Ortschaften und Landschaften veröffentlicht.

Raten Sie mit – Welches Tier macht wohl dieses Geräusch?… und gewinnen Sie pro Spot einen einen Naturata-Einkaufsgutschein im Wert von 50€!

 

 

 

 

 

Zugegeben – das war etwas knifflig, denn einfach so draußen in der Natur haben die wenigsten Menschen schon einmal den Ruf einer Fledermaus vernommen. Wie die Rufe aller Fledermäuse, ist der Ruf der Wimperfledermaus für das menschliche Ohr nicht hörbar – man braucht einen Bat-Detektor der die Rufe aus dem Ultraschallbereich hörbar macht.

Dennoch sollte im Rahmen der Kampagne „En Ouer fir d’Natur“ die Aufmerksamkeit auf diese heimlichen Tiere gelenkt werden: denn eigentlich ist die Nacht voll von ihren Rufen!

Diese Rufe nutzt die Wimperfledermaus nämlich sowohl zur Orientierung als auch zur Jagd. Was erstaunlich ist: Ihre Echo-Ortungsrufe erreichen eine Lautstärke von bis zu 110 Dezibel – so laut wie ein Presslufthammer direkt neben dem Ohr. Das heißt, eigentlich können wir Menschen froh sein, dass unser Ohr diese Töne nicht aufnimmt…

 

Lebensweise

(C) Jacques Pir

Die Wimperfledermaus ist eine typische Bewohnerin traditioneller Kulturlandschaften – also einer Landschaft, die neben dem Wald, aus Dörfern und eher kleinteiligen landwirtschaftlichen Flächen besteht, die sehr unterschiedlich genutzt werden. Hier wechseln sich bunte Heuwiesen mit Kuhweiden ab, unterschiedlich bestellte Äcker mit Streuobstwiesen, und zwischendrin finden sich viele Hecken, imposante Einzelbäume und Gebüsch. Vor allem Reihen aus Gehölzen wie Hecken oder Obstbaumreihen sind essentiell – denn sie nutzt sie zur Orientierung, dies sogenannte “Leitlinien“.

Die Wimperfledermaus ist nachtaktiv und schläft tagsüber kopfüber im Sommerhalbjahr in Quartieren wie Dachböden oder alten Gebäuden. Abends verlässt sie auf festen Flugrouten das Quartier und fliegt in ihre Jagdgebiete, wo sie gezielt nach Mücken und Spinnen sucht.

In einer Nacht kann sie bis zu 1.000 Mücken und andere Insekten erbeuten, vor allem durch das Absammeln von Blättern oder durch das Herausfangen von Spinnen aus ihren Netzen – ein wahres natürliches Mittel gegen diese Krabbeltierchen also! Sie vertilgen jede Nacht ein Drittel ihres Körpergewichtes an Insekten.

Im Frühjahr bilden die Weibchen Wochenstubenkolonien von bis zu 1.000 Tieren in Gebäuden, wo sie jeweils ein Jungtier zur Welt bringen. Diese wird etwa sieben Wochen lang gesäugt. Die Weibchen kehren jedes Jahr in dieselbe Kolonie zurück – auch die Jungtiere schließen sich später an. Wimperfledermäuse können über 20 Jahre alt werden.

Ihren Winterschlaf verbringr die Wimperfledermaus bis Anfang Mai in Winterquartieren wie Höhlen und alten Bergwerken.

 

Gefahren für die Wimperfledermaus

Die Wimperfledermaus ist in vielerlei Hinsicht bedroht. Eine der größten Gefahren stellt der zunehmende Verlust ihrer Nahrungsgrundlage dar: Der dramatische Rückgang von Insekten und Spinnen – vor allem durch den Einsatz von Pestiziden und die Intensivierung der Landwirtschaft – führt dazu, dass sie in vielen Regionen kaum noch genug Nahrung findet.

So hat sich die Landschaft im Zuge der Änderung der landwirtschaftlichen Nutzung in den letzten Jahrzehnten stark verändert, was auch einen Impakt auf die Wimperfledermaus hat. So hat zum Beispiel der Anteil an Kuhweiden in der Landschaft stark abgenommen – hier fand die Wimperfledermaus immer besonders gut Nahrung. Doch jetzt werden Milchkühe vermehrt nur in Ställen gehalten, ohne auf die Wiese zu gehen. Auch der Wegfall von Obstbäumen, weil sie nicht mehr genutzt oder nicht mehr nachgepflanzt werden, hat einen negativen Einfluss auf die Wimperfledermaus. Blüten- und insektenreiche Heuwiesen sind monotonen Silage-Wiesen gewichen – hier leben einfach nicht mehr so viele Insekten als Nahrungsgrundlage der Wimperfledermaus und vieler weiterer Tiere.

Ein weiterer kritischer Punkt ist der Verlust geeigneter Quartiere. Alte Gebäude, die bislang als Wochenstuben für Weibchen dienten, werden saniert oder abgerissen, so dass die Fledermäuse keinen Zugang mehr finden und ihnen somit ein essentieller Teil ihres Lebensraumes fehlt.

 

Verbreitung in Luxemburg

In Luxemburg gibt es 22 Fledermausarten, alle sind nach europäischem und luxemburgischem Recht streng geschützt. Über 70 % (16 Arten) davon sind in einem ungenügenden oder schlechten Erhaltungszustand dh sind vom Aussterben bedroht – die Wimperfledermaus gehört dazu.

In Luxemburg kommt die Wimperfledermaus hauptsächlich in den Flusstälern von Mosel, Sauer und Attert vor. Die Weibchen jagen im Schnitt in einem Umkreis von 4 bis 5 Kilometern rund um ihre Kolonien. Luxemburg befindet sich am nordwestlichen Rand des europäischen Verbreitungsgebiets dieser wärmeliebenden Art.

 

Wie kann ich der Wimperfledermaus helfen?

  1. Naturfreundlich gärtnern: Gestalten Sie Ihren Garten und die Umgebung möglichst divers und naturnah – mit einer Vielzahl an verschiedenen einheimischen Wildblumen, Hecken und Streuobstbäumen. Auf Pestiziden sollte gänzlich verzichtet werden. Nachtblühende Pflanzen, wie Nachtkerzen oder Geißblatt, sind ein Plus – denn von ihnen werden nachtaktive Insekten angezogen, von denen die Fledermäuse sich ernähren können.
  2. Bio-Produkte konsumieren: Mit dem Kauf von Bio-Produkten aus der Region unterstützten Sie eine extensive Landwirtschaft, die Lebensräume für Insekten und damit für Fledermäuse erhält.
  3. Lichtverschmutzung vermeiden: Verzichten Sie nachts auf unnötige Außenbeleuchtung und überlassen Sie die Nacht somit den Fledermäusen. Sie meiden nämlich beleuchtete Gebiete. Wenn man will, dass sie bei einem ums zuhause auf Insektenjagd gehen, ist dies ein Muss!
  4. Quartiere schützen, Dachräume zugänglich machen: Alte Gebäude mit bekannten Kolonien sollten fledermausfreundlich saniert werden. Quartiere dürfen nicht verschlossen oder zerstört werden. Bei bekannten Quartieren sollten Arbeiten auf die Zeit von September bis März verschoben werden, denn dann befinden sich die Fledermäuse in ihren Winterquartieren.

 

Für weitere Infos zur Wimperfledermaus und Fledermäusen im Allgemeinen, schauen Sie hier: